So viele Pakete wie noch nie

Als Christian Schöninger seine neue Position als Geschäftsführer der GLS Austria antritt, ist die Situation nicht gerade einfach: Das Weihnachtsgeschäft ist voll im Gange und Corona-bedingt befinden sich Anfang Dezember 2020 so viele Pakete in der Zustellung wie noch nie. Auch für Schöninger, der das Geschäft in und auswendig kennt, ist es eine besondere Situation – zumal die oberste Priorität die Gesundheit aller Beteiligten ist. Im Interview spricht der gebürtige Süd-Steirer über seinen Einstieg, die Bilanz von GLS Austria und die Ziele für das Jahr 2021.

Herr Schöninger, sind Sie gut angekommen in Ihrer neuen Position als Geschäftsführer? Sie wurden ja mitten in der Corona-Krise berufen.  

Wenn man es so betrachtet, könnte man schon meinen, ich hätte mir nicht den allerbesten Zeitpunkt ausgesucht. Ehrlich gesagt hatte ich aber wenig Zeit darüber nachzudenken, denn wir befanden uns auch mitten im Weihnachtsgeschäft und hatten extrem viele Aufträge. Ich habe den Schwung einfach direkt mitgenommen, um mich schnell an alles zu gewöhnen. Wenn ich so zurückblicke, war das schon ein sehr effizienter Eingewöhnungsprozess.

 

Wie würden Sie das Jahr 2020 aus Sicht von GLS Austria in nur einem Satz resümieren?

[Er lacht] Schwierig, dieses so außergewöhnliche Jahr in einem Satz zusammenzufassen, aber ich versuche es mal so: „Ein Rekordjahr mit sehr dynamischen und wegweisenden Entwicklungen.“

 

Können Sie uns das genauer erläutern?

Die Situation auf dem Paketmarkt war schon vor dem Ausbruch der Corona-Krise extrem agil, weil immer mehr Menschen online bestellen und das E-Commerce-Geschäft seit Jahren exponentiell wächst. Auch der nachhaltige Aspekt rückt immer stärker in den Fokus, da viele Online-Shopper vermehrt darauf achten, wie die Ware bei ihnen ankommt. Als dann im März das Virus ausbrach, erlebte der E-Commerce nochmal einen zusätzlichen Schub, weil der stationäre Handel durch die Lockdown-Phasen teilweise lahmgelegt wurde. Es hat sich sogar gezeigt, dass selbst diejenigen, die dem Online-Shopping eher skeptisch gegenüberstanden, mittlerweile angeben, öfter im Internet bestellen zu wollen. Auch der stationäre Handel hat sich alternative Vertriebskanäle erschlossen und damit begonnen, die Produkte online zu verkaufen.

„Mir scheint es fast so, als hätte der E-Commerce in seiner Entwicklung mehrere Jahre übersprungen.“

Christian Schöninger, Managing Director GLS Austria

Wie wirkt sich das auf den Geschäftsbetrieb von GLS Austria aus?

Ursprünglich sind wir im 2B-Geschäft gewachsen und mit vielen unserer Kunden pflegen wir seit Jahren langfristige und vertrauensvolle Partnerschaften – darauf sind wir sehr stolz. Während der Corona-Krise mussten leider viele Betriebe aufgrund der Lockdown-Bestimmungen schließen und das hat natürlich auch uns getroffen. Nun wurde aber, wie gesagt, online extrem viel bestellt und so hatten wir bereits zwei Wochen nach Ankündigung des ersten Lockdowns im März 2020 überdurchschnittlich viele 2C-Pakete im System. Operativ gehen damit eine Menge Anpassungen einher, weil eine Privatkundenzustellung mehr Zustellstopps erfordert, als die Zustellung bei unseren Geschäftskunden. Aufgrund der Homeoffice-Situation im ganzen Land sind die Empfänger aber öfter zu Hause, was die Zustellung wiederrum erleichtert.

 

Sie hatten ja eingangs von einem „Rekordjahr“ 2020 gesprochen. Was meinen Sie damit?

Dass noch nie so viele Pakete verschickt wurden, wie im vergangenen Jahr. Wir bei GLS Austria haben in den Sommermonaten Steigerungsraten von 25 bis 30 Prozent im Vergleich zu 2019 registriert. Während des Weihnachtsgeschäfts waren es sogar 40 Prozent mehr Pakete als noch zwölf Monate zuvor. Schon zu „normalen“ Zeiten wären diese plötzlich erhöhten Mengen eine große Herausforderung. Umso mehr noch in Pandemie-Zeiten, in der wir außerdem strengstens auf die behördlichen Gesundheitsvorschriften achten müssen. In manchen Gebieten haben wir diesen Zusatzaufwand nur mit einer Neugestaltung der Tourenpläne und mit einer Aufstockung des Fuhrparks bewerkstelligen können.  

 

Was bedeutet das für Ihre Strategieplanung 2021?

Unser Qualitätsanspruch bleibt auch bei den wachsenden Paketmengen und der Verschiebung zu 2C unsere Priorität, das ist ganz klar. Das heißt auch, dass wir uns fortlaufend weiterentwickeln, indem wir beispielsweise unsere Infrastruktur ausbauen und noch nachhaltiger agieren. Für 2021 steht der Ausbau unseres PaketShop-Netzwerks von rund 800 auf ca. 1.000 Abholstationen auf der Agenda – darunter fallen die PaketShops und die A1-Paketstationen, auf die wir vermehrt setzen. Auch der nachhaltige Aspekt, der mir persönlich sehr am Herzen liegt, wird eine wichtige Rolle spielen: In den Städten Wien, Graz, Linz und Salzburg wollen wir 20 neue eFahrzeuge in den Betrieb nehmen. Außerdem haben wir vor kurzem alle Depotstandorte in Österreich auf Ökostrom umgestellt.  

 

Speziell in puncto Nachhaltigkeit spielt ja auch die Politik eine wichtige Rolle. Glauben Sie, die Anerkennung der Logistik ist seit der Krise gestiegen?

Den Eindruck habe ich schon, denn man hat gesehen, welch hohen Wert die Paketzustellung für die Gesellschaft hat. Ich hoffe, dass dies auch nach Corona noch der Fall sein wird. Fakt ist jedenfalls, dass Nachhaltigkeit Geld kostet. Die Anschaffung von eFahrzeugen wird vom Bund gefördert und das ist sehr positiv. Allerdings gilt das nur für elektronisch angetriebene Fahrzeuge. Erdgas-Lkws für den Langstrecken-Verkehr sind davon beispielsweise nicht betroffen. Es gibt noch eine Menge zu tun, deswegen hoffe ich, dass die aktuellen Entwicklungen den Stein noch mehr ins Rollen bringen. Ich wünsche mir sehr, dass wir gemeinsam mit der Politik Konzepte für eine Smart City Logistik ausarbeiten können, um zum Beispiel über City-Depots und reservierte Parkplätze zu sprechen.  

 

Erfahren Sie mehr über eine Karriere bei GLS

Er hat das, was ein guter Manager haben muss: Er kann gut mit Menschen umgehen, verfügt über fundierte Erfahrungen und treibt Innovationen aktiv voran. Christian Schöninger (47) beginnt seine Karriere bei der GLS Austria im Jahre 2005. Fünf Jahre lang leitet er ein Depot in seiner Heimat Steiermark und lernt dabei das Unternehmen kennen. 2010 wurde er Region Operations Manager und damit verantwortlich für alle Logistikprozesse des Unternehmens. Im Dezember 2020 wird Christian Schöninger zum Managing Director ernannt und berichtet in seiner Funktion an Klaus Schädle, Group Area Managing Director bei GLS.

„Christian Schöninger ist eine Führungspersönlichkeit aus unseren eigenen Reihen, die alle Logistikprozesse bis ins Detail kennt. Ich freue mich, ihn mit an Bord zu haben.“

Klaus Schädle, Group Area Managing Director bei GLS 

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