Europäer aus Leidenschaft

Der erste Eindruck: Diesen Mann kann so leicht nichts erschüttern. Offen, sympathisch und dabei sehr lebendig gibt er einen Einblick in seine Arbeit.

Herr Arndt, Sie tragen die Verantwortung für das Europanetz der GLS. Fühlen Sie sich als Europäer?

 

Ja, definitiv. Und ich mag die Internationalität von GLS. Hier habe ich täglich mit Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Mentalitäten zu tun. Das hat für mich immer den Reiz ausgemacht und spornt mich immer wieder an.

 

 

Sie sind seit 1993 bei General Parcel[1] bzw. GLS. Viel hat sich in dieser langen Zeit verändert. Ist auch etwas gleichgeblieben?

 

(Er lacht fröhlich)

 

Stimmt. Ich bin ein echter Dinosaurier in meinem Job. Aber darauf bin ich auch ein wenig stolz. Vor über 20 Jahren habe ich das Qualitätsmanagement bei General Parcel aufgebaut. Damals waren wir das erste Unternehmen mit europaweitem ISO 9001-Zertifikat. Heute ist ein solches Zertifikat Standard, wir haben damals also schon Maßstäbe gesetzt. Das System haben wir bei GLS natürlich weiterentwickelt; gleichgeblieben ist aber, dass Qualität höchste Priorität hat.

 

Mein Bereich ist auch heute noch unter anderem für das internationale Qualitätsmanagement zuständig. Wir stellen sicher, dass alle Länder zweimal im Jahr auditiert werden und werten die Qualitätsstatistiken aus. Zusammen mit den Landesgesellschaften verbessern wir Prozessschritte, wenn es notwendig sein sollte.

 

 

Was sehen Sie momentan als besondere Herausforderung im europäischen Netzwerk?

 

Die Erweiterung der Servicepalette. Die Nachfrage aus dem B2C-Sektor nimmt zu und wir entwickeln unser heutiges Produkt- und Serviceangebot für die Zukunft weiter, um die Erwartungen in diesem Bereich noch besser erfüllen zu können.

 

 

Was bedeutet das konkret?

 

Wir bieten beispielsweise den FlexDeliveryService bereits heute zwischen einigen Ländern grenzüberschreitend an, was von den Kunden sehr gut angenommen wird. Unser Ziel ist jedoch eine möglichst weitreichende europäische Abdeckung.

 

 

Die EU-Kommission will Schranken beim internationalen Online-Shopping abbauen. Wie bewertet GLS diese Initiative?

 

Das ist in der Tat ein interessantes Vorhaben, das wir genau beobachten. Die Anzahl der internationalen E-Commerce-Pakete steigt bereits jetzt bei uns im System. Doch der diskriminierungsfreie Zugang zum Privatkunden ist nicht in allen Ländern gegeben. Vielfach haben nur die Postgesellschaften Zugang zu Mehrfamilienhäusern – zum Beispiel in Frankreich ist das durch Türcodes oft so. Außerdem können wir nicht in Postfächern zustellen. Wenn hier Schranken abgebaut werden und mehr Transparenz entsteht, wäre das sicher vorteilhaft für Empfänger.  

 

 

Stichwort Zollabwicklung bei internationalen Transporten: Was zeichnet GLS aus?

 

Die Zollabwicklung ist ein wichtiges Thema, das wahrscheinlich in den nächsten Jahren sogar noch an Bedeutung zunehmen wird. Wir sehen jetzt schon, dass außerhalb der EU vor allem im E-Commerce hohe Verzollungskosten die Entwicklung hemmen. Unser Ziel ist daher eine effiziente Verzollung zu möglichst geringen Kosten.

 

Das funktioniert zum Beispiel für Exportware aus der Schweiz schon sehr gut. Für mehr als 20 Schweizer Großkunden haben wir gemeinsam mit unserem Partner Swiss Post GLS die Verzollung automatisiert. Dank unserer speziell entwickelten Software können wir mit geringem Personalaufwand mehr als 1.000 Verzollungen an einem Tag abwickeln.

 

 

In einigen Ländern gibt es erstaunliche Einfuhrverbote. So darf man beispielsweise nach Singapur kein Kaugummi versenden. Muss GLS das kontrollieren?

 

(Er lächelt amüsiert.)

 

Ja, Singapur und Kaugummi. Eigentlich liegt es in der Verantwortung des Kunden, auf die Einfuhrbestimmungen eines Landes zu achten, aber wir versuchen, schon möglichst früh Problempakete zu erkennen und herauszufiltern, denn spätestens bei der Importverzollung in Singapur endet die Reise der Kaugummis. Dann sind aber schon Transportkosten entstanden, und es bleibt meist nichts anderes übrig, als das Paket zu retournieren oder zu zerstören.

 

Solche Unannehmlichkeiten wollen wir unseren Kunden ersparen. Daher informieren wir sie und die Mitarbeiter in den Depots über spezielle Bestimmungen und prüfen im internationalen Versand immer auch die Begleitpapiere. Bei Unstimmigkeiten werden die Pakete bereits vor dem Versand gestoppt, um diese zu klären und Kosten für den Kunden zu minimieren.

 

 

Wäre Singapur für Sie ein Urlaubsziel?

 

Singapur und Malaysia sind sehr interessante Länder, leider jedoch auch sehr weit entfernt. Mit Kindern bietet sich momentan eher ein Strandurlaub in Italien oder Spanien an – und natürlich Skilaufen in Österreich.

 


[1]Internationaler Verbund der späteren GLS-Gesellschaften
 

Thomas Arndt

 

Thomas Arndt, Director International Network, ist für die Verbindung der nationalen Netze aller GLS-Gesellschaften und Netzwerkpartner verantwortlich. Der heute 50jährige Verkehrsbetriebswirt betreut die Partner, von der Qualitätssicherung bis zur Analyse und Abstimmung der Geschäftsprozesse. Zu GLS kam er über General Parcel. In dem europäischen Kooperationsverbund der späteren GLS-Gesellschaften war er vor 23 Jahren der erste Mitarbeiter und später Geschäftsführer.

„Wir sitzen hier nicht im Elfenbeinturm. Die strategische Planung orientiert sich am internationalen Tagesgeschäft.“

Thomas Arndt, Director International Network

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